Quelle:
"Film-Dienst 24/98": Alles Operette!
Autor: Michael Wenk
Schon
allein die Tatsache, daß ein Mensch das wahrhaft biblische
Alter von 100 Jahren erreicht, ist ein Grund zum Staunen.
Heißt dieser Mensch Johannes Heesters und zählt
seit über 60 Jahren zu den populärsten Schauspielern
des Landes, bleibt es nicht beim respektvollen Innehalten.
Eine Gratulationscour sondergleichen ist dem Doyen
des deutschen Films sicher. Frack, Zylinder und weißen
Seidenschal - seine Markenzeichen - läßt er am
liebsten Zuhause, und auch eine ausschweifende Geburtstagsparty
im von Heesters oft besungenen Pariser Restaurant
"Maxim´s" ( ein Ort, an dem "Jopie" erstmals in jenen
Jahren speiste, die man bei einem Mann als die "besten"
bezeichnet) ist eher unwahrscheinlich.
Während
der Jubilar anläßlich von Gala-Auftritten mit
seiner Paraderolle des noch im hohen Alter vitalen
Lebemannes selbstironisch kokettiert, hält der
Privatmann Heesters gern Distanz zu den mit ihm in
Verbindung gebrachten Rollenklischees. Derlei persönliche
Zurückhaltung steht in Gegensatz zu jenen Ingredienzen,
die den Erfolg der Heesters-Filme ausmachen: Mit Eleganz,
Charme und Gesang bezauberte der Leinwandstar Generationen
eines vor allem weiblichen Publikums, dies meist als
Protagonist einer Operettenhandlung und eingebettet
in das Studiosystem einer Traumfabrik wie der Ufa.
Seine Revue- und Gesangsauftritte im gleißenden Rampenlicht
gerieten dabei so eindrucksvoll, daß den Leistungen
des Schauspielers Heesters oft weniger Aufmerksamkeit
zuteil wurde. Sein künstlerisches Selbstverständnis
weist hingegen andere Akzente auf. Versteht sich Heesters
doch als Schauspieler, der auch singen kann.
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